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Cybersicherheit wird oft wie ein Spiel behandelt. Unternehmen jagen schnellen Erfolgen hinterher, haken Compliance-Listen ab oder klopfen sich nach einem einzigen erfolgreichen Audit selbst auf die Schulter. Auf dem Papier mag das produktiv aussehen, aber in Wirklichkeit schafft es ein falsches Gefühl der Sicherheit. Der CISO stellt in diesem Bild den Quarterback dar, auf dem die ganze Verantwortung lastet.
Cybersecurity ist jedoch kein Spiel. Sie erfordert eine ausgereifte Führung, langfristiges Denken und klare Verantwortlichkeiten. Alles andere setzt Unternehmen unnötigen Risiken aus. CISOs wissen um diesen Umstand, müssen ihn aber immer wieder in ihren Organisationen zur Sprache bringen.
Zu viele Sicherheitsteams verlassen sich auf Aktivitäten, die wie Fortschritte aussehen und dargestellt werden, aber das Risiko nicht wesentlich verringern. Dinge wie gelegentliche simulierte Phishing-Tests, auffällige neue Sicherheitstools oder die Erfüllung grundlegender Compliance-Anforderungen können ein beruhigendes Gefühl vermitteln. Das Problem ist, dass diese Aktivitäten oft nur die Symptome bekämpfen, nicht aber die Ursachen.
Häufige Beispiele hierfür sind:
- Compliance als Errungenschaft statt als Ausgangspunkt betrachten.
- Vorfälle als isolierte Ereignisse statt als Indikatoren für systemische Probleme behandeln.
- Kennzahlen verfolgen, die gut aussehen, aber nicht die tatsächliche Widerstandsfähigkeit messen.
- Glauben, dass Technologie Lücken schließen kann, die durch schwache Governance oder unklare Prozesse entstanden sind.
Das alles ist nur Scheinsicherheit. Es schafft Sichtbarkeit, aber keinen echten Schutz. CISOs sollten Risiken als real und gegenwärtig behandeln. Sie müssen Sicherheitsprogramme entwickeln, die wechselnden Bedrohungen, Personalfluktuation und unerfahrenen Teams standhalten können. Starke Führung ist nicht reaktiv. Sie ist stattdessen bewusst und informiert.
Erfolgreiche CISOs konzentrieren sich auf:
- Menschen und Prozesse und priorisieren diese vor technischen Hilfsmitteln
- Kulturelle Erwartungen und Verantwortlichkeiten
- Klare Zuständigkeiten
- Entscheidungsfindung auf der Grundlage von Cyberrisiken und ihren Datenanalysen
- Langfristige Resilienz anstatt kurzfristiger Erfolg
Das ist der Unterschied zwischen einem Sicherheitsprogramm, das wirklich funktioniert, und einem, das nur Checklisten abhakt.
Der Wandel vom Spiel zum echten Programm
Der Übergang von einem reaktiven Ansatz zu einem ausgereiften Sicherheitsprogramm beginnt mit einer Änderung der Denkweise. CISOs müssen sich dafür entscheiden, aus dem „Spielmodus“ auszusteigen. Das Ziel besteht bislang darin, mögliche Probleme für ein weiteres Quartal zu vermeiden. Stattdessen müssen sie sich dazu verpflichten, Programme zu entwickeln, die echten Bedrohungen standhalten können.
Zu den wichtigsten Grundsätzen eines solchen Programmes gehören:
- Compliance ist die Mindestanforderung, nicht das Endziel.
- Sicherheitsmetriken sollten reale Ergebnisse messen, wie die Zeit bis zur Erkennung und Reaktion.
- Jeder Vorfall sollte Erkenntnisse liefern, die das Programm verbessern.
- Die Planung der Ausfallsicherheit sollte genauso wichtig sein wie die Prävention.
- Die Verantwortlichkeit sollte geteilt, sichtbar und messbar sein.
Dies sind die Grundlagen eines ausgereiften Sicherheitsprogramms. Denn die Notwendigkeit wird jeden Tag sichtbar, die Bedrohungslandschaft entwickelt sich mit einer Geschwindigkeit weiter, die jeden Checklistenansatz übertrifft. Hochprofessionelle Angreifer gehen zielgerichtet vor. Sie arbeiten zusammen, automatisieren und innovieren. Sie spielen kein Spiel, verlassen sich nicht auf Checklisten.
Wenn Unternehmen Sicherheit weiterhin als eine Reihe von Aufgaben und nicht als strategische Disziplin behandeln, werden sie ins Hintertreffen geraten. Sicherheitsvorfälle sind keine Zufälle. Sie sind das vorhersehbare Ergebnis einer unreifen Führung.
CISOs müssen daher die Ernsthaftigkeit vorleben, die diese Aufgabe erfordert. Sicherheit ist kein Spiel. Es gibt keine Auszeiten und keine einfachen Neustarts. Was Unternehmen heute aufbauen, wird darüber entscheiden, ob sie den Bedrohungen von morgen standhalten können. Eine Führung mit entsprechender Reife macht den Unterschied zwischen scheinbarer Sicherheit und tatsächlicher Sicherheit aus. (jm)
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